Nachdem ich 2024 den Kungsleden gelaufen bin, hat mich das Thema Weitwandern nicht mehr losgelassen.
2025 kam ich allerdings kaum raus. Zu wenig Zeit, zu viel Arbeit und irgendwie fehlte auch mental die Ruhe dafür.
Aber 2026 sollte wieder ein richtiges Abenteuer her.
Was macht man nach 450 Kilometern alleine auf dem Kungsleden?
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, irgendwann das Gröna Bandet zu laufen. Aber das ist mir aktuell noch zu groß. Dafür bin ich weder mental noch technisch bereit.
Also musste es etwas sein, das mich mental und technisch darauf vorbereitet.
In den Sarek habe ich mich alleine noch nicht getraut. Aber es musste etwas her, das rauer, einsamer und unbekannter als der Kungsleden ist.
Und genau deshalb fiel die Entscheidung irgendwann auf den Nordkalottleden.

Warum gerade der Nordkalottleden?#
Der Nordkalottleden wirkt auf mich wie der logische nächste Schritt nach dem Kungsleden.
Weniger Infrastruktur. Weniger Menschen. Mehr Eigenverantwortung.
Auch wenn ich den Kungsleden damals autarker umgesetzt habe als eigentlich nötig, kann man ihn teilweise problemlos von Fjällstation zu Fjällstation laufen. Auf dem Nordkalottleden sieht das schon anders aus.
Die Abstände zwischen Schutzhütten und Resupply-Möglichkeiten sind deutlich größer und manche Etappen führen mehrere Tage durch ziemlich abgelegene Gebiete.
Genau das macht die Route für mich aber interessant.
Der Nordkalottleden wirkt im Vergleich deutlich wilder und ursprünglicher. Nicht unbedingt technisch extrem schwierig, aber man muss vieles eigenständiger lösen und deutlich achtsamer unterwegs sein.
Außerdem fühlt sich die Tour für mich wie ein sinnvoller Zwischenschritt Richtung Sarek und später Gröna Bandet an.
Nicht nur körperlich, sondern vor allem mental.
Außerdem gibt es mir die Möglichkeit, Navigation mit Karte und Kompass zu lernen und neue Ausrüstung unter realistischen Bedingungen zu testen.
Der Nordkalottleden ist ein rund 800 Kilometer langer Weitwanderweg durch Norwegen, Schweden und Finnland.
Je nach Variante beginnt oder endet er in Sulitjelma (Norwegen), Kvikkjokk (Schweden) oder Kautokeino (Norwegen). Die komplette Strecke am Stück zu laufen war für mich zeitlich allerdings nicht umsetzbar.
Deshalb konzentrieren wir uns erstmal auf den südlichen Teil von Sulitjelma (Norwegen) bis Abisko (Schweden).

Informationsquellen#
Für die Planung habe ich verschiedene Quellen kombiniert.
Zum einen klassische Wanderführer und eher allgemeine Informationen zum Wandern in Schweden, dazu ein paar GPX-Tracks, etwas Kartenmaterial und erstaunlicherweise 0 Stunden YouTube.
Gerade beim Nordkalottleden merkt man allerdings schnell: Die Informationsdichte ist generell sehr dünn, oder Informationen sind veraltet, widersprüchlich oder beziehen sich auf andere Varianten der Route.
Deshalb versuche ich möglichst konservativ zu planen und mich nicht blind auf einzelne Aussagen zu verlassen. Insgesamt habe ich mich eher frei von festen Vorgaben und detaillierten Tourberichten bewegt.
Bücher & Webseiten#
- Wanderführer Nordkalottleden
- Buch Hiking in Sweden
- Eigene Erfahrungen vom Kungsleden

Die Planung war diesmal erstaunlich schnell abgeschlossen.
Auf den Kungsleden habe ich mich insgesamt über 9 Monate vorbereitet. Weniger körperlich oder mental, sondern eher organisatorisch: Tourplanung, Ausrüstung, unzählige Youtube-Videos und Studieren von Packlisten.
Beim Nordkalottleden liegt mein Fokus diesmal deutlich stärker auf körperlicher Fitness und darauf, wie ich die Tour später fotografisch oder als Bewegtbilder festhalten kann.
Und genau das macht mich irgendwie misstrauisch.
Ich denke mir ständig: War das wirklich schon alles?
Nordkalottleden von Sulitjelma bis Abisko#
Klassisch würde man die 800 Kilometer des Nordkalottleden von Norden nach Süden laufen, also SoBo (Southbound).
Da ich nicht zu viel Zeit für An- und Abreise verlieren wollte und insgesamt nur genug Zeit für etwa die Hälfte der Strecke habe, entschied ich mich für die umgekehrte Richtung: NoBo, also Northbound.
Für den südlichen Einstieg gibt es im Wesentlichen zwei Varianten:
- Start in Kvikkjokk (🇸🇪 Schweden)
- Start in Sulitjelma (🇳🇴 Norwegen)
Kvikkjokk wäre etwas länger gewesen. Außerdem hätte die erste Etappe dort direkt mit Bootsfahrten begonnen, was Flexibilität nimmt und Zeit kosten kann. Da mir Kvikkjokk 2024 auf dem Kungsleden außerdem nicht besonders gut gefallen hat, fiel die Entscheidung relativ schnell auf Sulitjelma.

Meine geplante Route ist ungefähr 350 Kilometer lang und in drei große Etappen aufgeteilt:
- Etappe 1: Sulitjelma → Ritsem, ca. 100 Kilometer
- Etappe 2: Ritsem → Alesjaure, ca. 200 Kilometer
- Etappe 3: Alesjaure → Abisko, ca. 60 Kilometer
Etappe 1 - Sulitjelma → Ritsem#
Der Start meines Nordkalottleden-Abenteuers führt von Sulitjelma in Norwegen bis nach Ritsem in Schweden.
Mit ungefähr 100 Kilometern ist sie überschaubar, aber man sollte sie trotzdem nicht unterschätzen, denn gerade die ersten Tage einer langen Tour sind oft zäh.
Der Körper muss sich erst an das tägliche Laufen mit schwerem Rucksack gewöhnen.
Zusätzlich kann ich diese Zeit nutzen, um mich mit Karte und Kompass vertrauter zu machen, da der Weg spätestens ab dem Padjelantaleden sehr gut ausgeschildert sein sollte.
Deshalb plane ich hier bewusst konservativ.
Nachversorgung#
- 0 km: Supermarkt in Sulitjelma, z.B. Coop Prix Sulitjelma
- unterwegs: mögliche Verkaufsstellen entlang des Padjelantaleden
- 100 km: Ritsem, STF Shop

Entlang des Padjelantaleden gibt es wohl kleinere Verkaufsstellen, betrieben durch die Sami. Meist werden dort frisch geräucherter Fisch und eine Art Fladenbrot angeboten.
Da Öffnungszeiten, Angebot und Verfügbarkeit nicht garantiert sind, plane ich nicht fest damit. Alles, was es unterwegs gibt, ist Bonus.
Vergiss aber nicht, vorher zu prüfen, wie man dort bezahlen kann.
Schweden ist zwar fast komplett bargeldlos, aber bei kleinen Verkaufsstellen mitten im Fjäll würde ich mich nicht einfach blind auf Kartenzahlung verlassen.

Schutzhütten & Infrastruktur#

Einschätzung#
Auf dem Papier wirkt die erste Etappe mit ihren ungefähr 100 Kilometern relativ überschaubar.
Aber die ersten Tage einer Tour sind besonders wichtig, weil der Körper und Kopf sich an die Belastung gewöhnen müssen und mir eine kürzere Etappe die Möglichkeit gibt die Orientierung mit Karte und Kompass zu vertiefen.
Durch die Nähe zum Padjelantaleden rechne ich außerdem mit etwas mehr Wanderaufkommen als auf späteren Abschnitten. Auch kleinere Siedlungen und mögliche Ausstiegspunkte sind noch eher erreichbar.
Insgesamt schätze ich diese Etappe deshalb als vergleichsweise gut planbar und sicher ein.
Etappe 2 - Ritsem → Alesjaure#
Diese Etappe ist der eigentliche Kern der Tour und DIE Herausforderung. Sie ist die Etappe vor der ich den größten Respekt habe.
Nicht unbedingt, weil sie technisch extrem schwierig sein muss, sondern wegen der Länge, der Isolation und der vergleichsweise wenigen Möglichkeiten zur Nachversorgung, was mein Rucksackstartgewicht in die Höhe treiben wird.
Zwischen Ritsem und dem nächsten Nachversorgungspunkt auf dem Kungsleden liegen ungefähr 180 bis 200 Kilometer.
Nachversorgung#
- 0 km: Ritsem, STF Shop
- 180 km: Kungsleden, STF Sälka Mountain Cabin
- 200 km: Kungsleden, STF Alesjaure Mountain Cabin
Schutzhütten & Infrastruktur#

Einschätzung#
Diese Etappe wird für mich DIE HERAUSFORDERUNG der Tour.
Da mir in so abgelegenen Gebieten noch Erfahrung fehlt und ich nicht genau weiß, was mich erwartet, plane ich eher konservativ mit ungefähr 18 bis 20 Kilometern am Tag. Damit müsste ich nach etwa 10 Tagen die STF Sälka oder STF Alesjaure Mountain Cabin erreichen, um meine Vorräte aufzufüllen. Trotzdem bedeutet diese Etappe: Ich muss für ca. 10 Tage autark unterwegs sein.
Es gibt Höhenmeter, abgelegene Abschnitte und vermutlich deutlich weniger Menschen als auf dem Padjelantaleden, respektive dem Kungsleden. Neben vereinzelten Notfalltelefonen in Hütten rechne ich nicht damit, unterwegs viel Infrastruktur oder Begegnungen zu haben.
Dementsprechend muss diese Etappe besonders gut vorbereitet werden.
Zur Vorbereitung für diese Etappe gehören für mich:
- Karte und Kompass
- GPS
- Satelliten-SOS
- genug Essen
- realistische Tagesetappen
- Wetterpuffer
- die mentale Bereitschaft umzudrehen oder abzuweichen, wenn es nötig wird

Achtung: Manche laufen ab Ritsem den Grenzleden, der teilweise parallel zum Nordkalottleden verläuft.
Während ich diesen Artikel schreibe (Mai 2026), gibt es dort allerdings Informationen über eine beschädigte oder zerstörte Brücke. Der betroffene Fluss kann wohl sehr reißend sein, weshalb vom Furten abgeraten wird.
Informiert euch deshalb bitte unbedingt vor Ort über den aktuellen Zustand der Wege, Brücken und ggf. Alternativrouten. Solche Informationen können einem sehr viel Ärger ersparen.
Etappe 3 - Alesjaure → Abisko#
Die dritte Etappe ist im Vergleich zu den ersten beiden Abschnitten deutlich entspannter.
Sie verläuft teilweise auf dem Kungsleden oder in dessen Nähe. Außerdem gibt es mehrere STF-Hütten entlang oder nahe der Route.
Mit ungefähr 60 Kilometern ist diese Etappe für mich eher der Endspurt. Je nach verbleibender Zeit, Wetter und Kraftreserven plane ich dafür etwa 2 (sehr wahrscheinlich) bis 4 (sehr unwahrscheinlich) Tage ein.
Da ich Teile dieser Gegend bereits 2024 auf dem Kungsleden gelaufen bin, weiß ich ungefähr, was mich erwartet.
Nach den langen und abgelegenen Abschnitten davor dürfte sich dieser Teil fast luxuriös anfühlen.


Wasser ist in Nordschweden und Norwegen meistens eines der kleineren Probleme.
Entlang der Route gibt es viele Bäche, Flüsse, Seen und Rinnsale. Man muss also normalerweise keine riesigen Wassermengen mitschleppen.
Trotzdem gilt natürlich: Augen auf, Karte lesen und nicht erst trinken, wenn man komplett trocken läuft.
Ausstiegsoptionen und mögliche Abweichungen#
Bei einer solchen Tour sollte man sich vorher Gedanken machen, welche Ausstiegsoptionen oder Alternativrouten grundsätzlich möglich sind.
Nicht, weil ich davon ausgehe, sie zu brauchen. Sondern weil es beruhigt, wenn man unterwegs nicht erst bei schlechtem Wetter, Erschöpfung oder Problemen mit der Ausrüstung anfangen muss, über solche Dinge nachzudenken.
Wichtig ist aber: Das sind nur Optionen.
Unterwegs sollte man immer flexibel genug bleiben, sich den tatsächlichen Gegebenheiten der Tour anzupassen.
Etappe 1#
Auf der ersten Etappe gibt es noch vergleichsweise naheliegende Optionen.
Auf dem Nordkalottleden, der später auf den Padjelantaleden trifft gibt es zwar einige Abzweigungen, aber die großen sinnvollen Ausstiegspunkte bleiben für mich vor allem Sulitjelma, Ritsem oder Kvikkjokk.
Etappe 2#
Ab Ritsem wird das Thema Ausstieg deutlich schwieriger.
Es gibt verschiedene Routenvarianten und theoretische Ausweichmöglichkeiten, unter anderem über den Grenzleden oder über Wege weiter nördlich.
Aber: All diese Varianten müssen VOR dem Loslaufen beschlossen werden.
Deshalb werde ich gerade vor dieser Etappe mich vor Ort über aktuelle Wegbedingungen, Brücken, Wasserstände und Wetter informieren müssen.
Zum Ende der Etappe - nach etwa 180 Kilometern - erreiche ich bei Sälka wieder den Kungsleden. Ab dort wird die Infrastruktur deutlich besser.
Mögliche Optionen wären dann zum Beispiel:
- weiter nach Alesjaure (wie geplant)
- südlich Richtung Vakkotavare
- östlich Richtung Kebnekaise und Nikaluokta
Gerade Kebnekaise könnte interessant werden, falls ich unerwartet gut in der Zeit liege und noch genug Energie übrig habe.
Etappe 3#
Auf der letzten Etappe bin ich wieder deutlich näher an bereits bekannter Infrastruktur.
Die Route verläuft teilweise auf dem Kungsleden oder in dessen Nähe, und bis Abisko gibt es mehrere Möglichkeiten, die Strecke je nach Wetter, Zeitbudget und Kraftreserven anzupassen.
Da diese Etappe mit ungefähr 60 Kilometern aber vergleichsweise kurz ist, wird eine größere Abweichung vermutlich nur dann sinnvoll sein, wenn ich entweder schneller nach Abisko muss oder bewusst noch einen zusätzlichen Schlenker einbauen möchte.

Herausforderungen#
Aus der Etappenplanung ergeben sich für mich einige klare Herausforderungen.
Der Nordkalottleden ist für mich nicht einfach nur ein längerer Kungsleden. Die Route verlangt mehr Eigenverantwortung, mehr Vorbereitung und wahrscheinlich auch mehr Gelassenheit, wenn Dinge nicht exakt nach Plan laufen.
Nachversorgung#
Die größte logistische Herausforderung ist die Nachversorgung.
Vor allem die zweite Etappe zwischen Ritsem und Alesjaure ist lang genug, dass ich viele Tage autark unterwegs sein muss. Das bedeutet mehr Essen im Rucksack und damit auch ein höheres Startgewicht.
Ein Resupply-Paket nach Ritsem ist deshalb fest eingeplant.
Orientierung#
Auf dem Kungsleden war Navigation nie ein echtes Problem. Auf dem Nordkalottleden möchte ich mich aber nicht nur auf GPS verlassen.
Deshalb gehören Karte und Kompass fest zum Sicherheitskonzept. Nicht als Deko am Rucksack, sondern als echtes Backup.
Isolation#
Besonders die zweite Etappe wird wahrscheinlich deutlich einsamer als alles, was ich bisher gelaufen bin.
Das ist einerseits genau der Reiz dieser Tour. Andererseits bedeutet es auch: Fehler und Unachtsamkeit können schnell unangenehm werden.
Deshalb muss ich konservativer planen, aufmerksamer laufen und im Zweifel bereit sein, eine Entscheidung gegen den ursprünglichen Plan zu treffen.
Ausrüstung#
Die Ausrüstung muss (für mich) zuverlässig funktionieren.
Nicht perfekt. Wahrscheinlich nicht ultraleicht. Eher erprobt, sinnvoll und passend für mich und diese Tour.
Dazu gehören für mich unter anderem:
- zuverlässiges Zelt/Tarp
- warmer Schlafsack
- funktionierende Regenkleidung
- Kartenmaterial
- GPS
- Satelliten-SOS (Garmin InReach)
- ausreichend Stromreserven
- realistische Verpflegungsplanung
Strom & Dokumentation#
Da ich die Tour auch fotografisch und als Bewegtbilder festhalten möchte, spielt Strommanagement eine größere Rolle als auf früheren Touren.
Da hier locker mehrere Kilogramm zusammenkommen können, ist aktuell noch nicht ganz klar, was am Ende wirklich mitkommt.
Deshalb teste ich aktuell Powerbanks, Solarpanel sowie Lade- und Entladeverhalten verschiedener Akkus mit dem Wattmeter.

Fazit#
Der Nordkalottleden wird für mich der nächste große Schritt nach dem Kungsleden.
Nicht, weil ich plötzlich zum Expeditionsprofi geworden bin. Sondern gerade weil ich es nicht bin.
Die Tour fordert mich an genau den Stellen heraus, an denen ich Erfahrung sammeln möchte: Navigation, Eigenverantwortung, längere autarke Abschnitte, Ausrüstungsvertrauen und mentale Ruhe in abgelegenen Gebieten.
Gleichzeitig bleibt die Route für mich noch realistisch genug, um sie mit guter Vorbereitung anzugehen.
Aktuell fühlt sich vieles noch etwas abstrakt an. GPX-Tracks, Packlisten, Resupply-Ideen, Stromtests und offene TODOs im Blog.
Aber vermutlich beginnen genau so viele Abenteuer.

