Diese erste Etappe führt von Hemavan nach Ammarnäs und war mein Einstieg in den Kungsleden.
Fünf Tage, viele erste Male, sehr viel Staunen, erste Fehler und die Erkenntnis, dass Mücken stechen können.
Also eigentlich ein gelungener Start.

Tag 1 - Los geht’s#
Nun stand ich also am Flughafen in Hemavan. Auf diesen Moment hatte ich mich fast ein Jahr lang vorbereitet. Und dann ist etwas sehr merkwürdiges passiert… … etwas, das ich so zuvor noch nie erlebt habe. Nachdem ich mein Gepäck entgegen genommen habe - nicht wie gewohnt an großen Flughäfen von einem Gepäckband. Nein! Das Flughafenpersonal - also der eine Mann - hat den Wagen einfach vor das Gebäude gezogen und ich konnte es vom Wagen nehmen.

Nachdem ich es von seiner Schutzfolie befreit hatte, und Frischwasser in der Flughafentoilette aufgefüllt hatte, stand ich mit geschultertem Gepäck bereit für das Abenteuer. Ich tat einen ersten Schritt…. doch was war das? Meine Beine wollten nicht. Es fühlte sich so an, als ob mich alle Kräfte dieser Erde festhalten. Ich wollte nach vorne gehen, doch es ging einfach nicht. Also stand ich da etwas verdutzt und guckte etwas blöd. Einmal tief einatmen und ein zweiter Anlauf: Ich dachte noch, hoffentlich klappt das jetzt, sonst wäre das ein verdammt kurzes Abenteuer gewesen.

Aber beim zweiten Versuch hat alles geklappt und die Reise konnte beginnen, immerhin hatte ich eine wichtige Mission:
- Mygga kaufen
- Gaskartusche kaufen
- Den Einstieg in den Kungsleden finden
Da ich mich vorher gut informiert habe, wusste ich, dass es mehrere Anlaufstellen für Mygga und Gas in der Nähe gibt. Ich hatte mich für die Option “ICA” (Schwedischer Supermarkt) entschieden und bin losgestiefelt. Dort angekommen, habe ich noch Süßgebäck gekauft, aber konnte Mygga nirgends entdecken.

Also habe ich einfach ein Pärchen auf English angequatscht, die ich sie im Flugzeug bereits gesehen habe. Leider verstanden sie mich nicht, da sie selbst Touristen sind. Aber ihre Begleitung war sehr hilfsbereit, meinte aber, dass Mygga nicht so gut sei, ich soll doch im Sportgeschäft vorbeischauen, dort gäbe es auch Gas und eine bessere Variante. Definitiv: Jackpot! Und meine erste Erkenntnis: Ich bin nicht schüchtern, ich brauche nur einen Grund, die Leute anzuquatschen.
Im danebenliegenden Sportgeschäft, habe ich dann Mygga, Bushman und eine Gaskartusche gekauft. (Ängste und so)
Als nächstes galt es den Einstieg zum Kungsleden zu finden, was etwas schwieriger war als gedacht, denn alles war ausgeschildert, nur der Kungsleden hatte ein altes verfaultes Holzschild, aber es ging nun wirklich endlich los. Es war zwar schon ca. 19:00 Uhr, aber ich war sehr gehyped.
Der Anfang einer solchen Tour bedeutet meistens leiden, denn es geht oft bergauf. Und so auch hier. Es war anfänglich sehr schwer vorwärts zu kommen, da - obwohl im Vergleich zu später eher underwhelmed - die Weitläufigkeit und die Landschaft mich schon weggeflashed hat. Ich erinnere mich auch noch an eine surreale Begegnung: Und zwar kam mir auf ungefähr dem Höhepunkt des Anstiegs ein Trailrunner entgegen, der kurz mit mir sprach. Danach realisierte ich, dass dies für mich ein Abenteuer - wenn nicht sogar DAS größte Abenteuer meines Lebens wird - aber für andere ist es Alltag. Mit diesem Gedanken zog es mich weiter und ich genoss die Landschaft und die Weite. Alle paar Meter wurde ein Bild gemacht und ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Das alles hat mich aber nicht auf das vorbereitet was ich dann letztlich sah. Denn nach ca. 7 Kilometer endete der Anstieg und der Weg öffnete sich in ein breites Tal und bot mir eine Landschaft dar, die ich so noch nie erleben konnte. Das war auch ein perfekter Platz für die Nacht und so geschah es, dass ich am Freitag, den 5. Juli 2024 in der Nähe von Hemavan das erste Mal in freier Natur ganz legal (Allemannsretten sei dank) schlafen konnte.




… Also gut…
Trotz der wenigen (7km) entschloss ich mich meine Füße auslüften zu lassen und etwas Essen zuzubereiten. Leider war ich nicht der einzige, der jetzt zum Festmahl gerufen wurde. Zwar hatte ich Mygga (und Bushman!) zur Abwehr jeglicher Mückenangriffe auf meiner Person eingekauft und eingepackt. Leider hilft das nicht, wenn man vergisst es auch anzuwenden. Insbesondere wenn man seine Füße “nackt” an die frische Luft lässt. Während ich also darauf wartete, dass mein Wasser aufkochte, sah ich wie ein dutzend (geschätzt) Mücken sich durch meine Wollsocken stachen und schon aßen. Nicht, dass es unheimlich unhöflich ist schon mit dem Essen zu beginnen, nein, die Stiche der Viecher sind auch weniger angenehm. Das wusste ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht. Also schnell Bushman geholt und die Füße eingesprüht, aber leider war es dafür schon zu spät. Aber seht selbst:

Da es gerade der erste Tag war und bisher wirklich alles super geklappt hat, ließ ich mich davon nicht beirren. Hier noch ein paar der Highlights des Tages:

Tag 2 - Autobahn?!#
Die erste Nacht draußen, auch in Schweden, ist immer etwas unruhig. Das Nervensystem, der Körper und der Geist sind noch nicht richtig eingestimmt. Auch empfand ich die Nacht als etwas kühl. Innerlich war ich natürlich etwas angespannt diesbezüglich, da Frieren eines meiner größten Sorgen waren. Aber was mich noch mehr verwunderte: Ich war der festen Überzeugung, Autogeräusche, wie von einer Bundesstraße oder Autobahn gehört zu haben.
Wenig später wurde mir dann klar, was diese Autobahngeräusche wirklich waren:

Nach dieser Erkenntnis stand ich auf, packte meine Sachen und genoss die Sonne. Hier stellte ich dann auch relativ zeitnah fest, dass man zwar sehr isoliert ist, aber niemals alleine. In regelmäßigen Abständen kamen mir Wanderer (sogar vereinzelt Familien) entgegen. Ich lasse die Bilder für sich sprechen.


Tag 3 - Emotional Overflow Exception#
Der dritte oder der vierte Tag sind für mich immer einer der schlimmsten. Normalerweise ist mein Körper nicht dafür ausgelegt solche Belastungen über einen längeren Zeitraum zu ertragen.

Der Körper ist auch anfangs recht ungewillt, sich den Strapazen zu ergeben, weshalb er sich beschwert. Meistens in Form von Muskelkatern - was sich - wenn der Körper realisiert, er kommt aus der Nummer nicht mehr raus - einpendelt. Leider weiß man vorher nie, ob es Tag 3 oder 4 wird.
Körperlich habe ich mich an Tag 3 noch sehr gut gefühlt. Glück gehabt! Allerdings zerlegte es mich emotional bei dem Anblick der folgenden Bewegtbilder (Ton lohnt!).

Nach dieser Erkenntnis habe ich mich erleichtert gefühlt und bin den Weg gefolgt. Leider hatte ich das Wassermanagement nicht so richtig im Griff, weshalb ich nur noch ca 500ml Wasser hatte. Und aus dem See wollte ich nicht trinken. Ich hatte zwar einen Wasserfilter dabei, aber so richtig geheuer war mir das Ganze nicht.
Also bin ich dem Weg weiter gefolgt in der Hoffnung bald Wasser zu finden. Natürlich lässt Wasser in Schweden nicht lange auf sich warten und so konnte ich sehr schnell (ungefiltert) Wasser aufnehmen.


Darüber hinaus sind mir viele Wanderer in kompletter Regenmontur bei 20°C+ (geschätzt) und Sonne entgegen gekommen. Sie wirkten wir Ritter auf einem Kreuzzug. Auf Nachfrage, kam nur ein “Verdammte Mücken” als Antwort. Bis hierher empfand ich die Mückensituation als tolerierbar, mal abgesehen vom “Day 1 Incident”. Ich tat es als: Was wissen die schon, die sollen sich nicht so anstellen. Einige Tage später wusste ich dann, wie das gemeint war.
Aber jetzt erstmal die Highlights des Tages:

Tag 4 - Routine? - Routine!#
Meine bisherigen Touren (in 🇩🇪 Deutschland) waren immer nach drei Tagen zu Ende. Entweder weil ich keine Lust mehr hatte oder sie zu Ende waren. Deshalb war ich auch sehr überrascht, dass ich diesmal bis Tag 4 gekommen bin.
Nicht umsonst heißt es, der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Und so ist es: ab jetzt habe ich mich angekommen gefühlt und was vor nicht einmal 3 Tagen noch besonders war, wurde zur Routine. Dementsprechend lasse ich die Szenerie für sich sprechen:

Und zuletzt noch einen kleinen Eindruck, wie es dort mit Zelt aussieht. Diesmal als Bewegtbild!

Tag 5 - Naivität und Unwissenheit sind die besten Geschichtenerzähler#

Ich habe meine Tour so geplant, dass ich jede der Etappen autark sein kann. Das ist zwar auf dem Kungsleden nicht notwendig, aber das war ein mir selbst gestecktes Ziel. Für den ersten Resupply war der Supermarkt in Ammarnäs vorgesehen. Gestern hätte ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft, dementsprechend hatte ich den morgen viel Zeit und konnte mit dem Abstieg beginnen.

Nach dem Abstieg endet die erste Etappe für mich, weshalb die 2. Etappe auch mit dem Resupply in Ammarnäs beginnt. Dort wird auch aufgeklärt, was es mit “Naivität und Unwissenheit sind die besten Geschichtenerzähler” auf sich hat.






















